Auf der Suche nach Christus in seinem Wort

Gregor von Nazianz und die Bekenntnistaufe

Dieser Artikel ist Teil einer Reihe über die kappadokischen Väter und die Bekenntnistaufe. Gregor von Nazianz macht den Anfang. Von ihm stammt die eindringlichste Rede über die Taufe aus dem späten 4. Jahrhundert. Darin wird deutlich, dass die Taufe für ihn normalerweise mit Hören, Verstehen und einem eigenen Bekenntnis verbunden ist. Kleine Kinder ohne eigenes Bekenntnis sollen nur getauft werden, wenn ihr Leben in Gefahr ist.

Biographie

Gregor wurde zwischen 325 und 329 auf dem Landgut seiner Familie bei Arianzus in Kappadokien geboren.[1] Seine Mutter Nonna stammte aus einer christlichen Familie und galt als tief religiös. Sein Vater Gregor gehörte zunächst den Hypsistariern[2] an. Unter dem Einfluss seiner Frau wandte er sich dem Christentum zu und wurde später Bischof von Nazianz.

Gregor wurde von seiner Mutter durch ein Gelübde schon vor seiner Geburt Gott geweiht.[3] Sie unterrichtete ihn von klein auf in der Heiligen Schrift und erzog ihn im christlichen Glauben. Die Taufe empfing er damals nicht.

Gregor studierte zunächst in Caesarea in Kappadokien, später in Caesarea in Palästina, Alexandria und schließlich in Athen. Auf der Seereise nach Athen geriet sein Schiff in einen schweren Sturm. Dabei bekam er große Angst, ungetauft zu sterben. Im Gebet erneuerte er seine Hingabe an Gott und versprach, ihm sein Leben zu widmen. Er überlebte die Überfahrt und setzte sein Studium in Athen fort. Dort verband ihn eine enge Freundschaft mit Basilius. Beide verstanden sich ausdrücklich als Christen, obwohl Gregor nach wie vor nicht getauft war.

Nach seiner Rückkehr aus Athen um das Jahr 356 beschloss Gregor, seine Fähigkeiten ganz in den Dienst Gottes zu stellen. Zugleich wollte er ein asketisches Leben führen und für seine alternden Eltern sorgen. Wahrscheinlich empfing er zwischen 356 und 358 im Alter von ungefähr dreißig Jahren die Taufe.[4]

Im Jahr 361 weihte sein Vater ihn in Nazianz gegen seinen Willen zum Priester. Gregor floh daraufhin zu Basilius nach Pontus und kehrte erst Monate später zurück. Um 368 oder 369 ließ sich sein Bruder Caesarius im Alter von 38 oder 39 Jahren taufen. Er starb kurze Zeit später und Gregor hielt ihm die Grabrede.[5]

Im Jahr 372 wurde Gregor zum Bischof von Sasima geweiht. Die Leitung dieses Bistums übernahm er jedoch nicht.[6] Ab 379 betreute er eine kleine Gemeinde in Konstantinopel. Im Jahr 381 wurde er dort als Bischof anerkannt, legte das Amt aber noch im selben Jahr nieder. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er auf dem Familiengut bei Arianzus, wo er um 390 starb.

Die Rede über die heilige Taufe

Am Tag nach dem Fest der heiligen Lichter hielt Gregor in Konstantinopel seine Rede über die heilige Taufe. Das Fest erinnerte an die Taufe Jesu und wurde am 6. Januar gefeiert. Am Vortag hatte Gregor bereits über dieses Fest gepredigt. Nun erklärte er ausführlich, was die Taufe für den Christen bedeutet und warum sie nicht aufgeschoben werden sollte.[7]

Alle folgenden Zitate stammen aus dieser Rede, sofern keine andere Stelle genannt wird.[8]

Die Dringlichkeit der Taufe

Gregor verfolgt in seiner Rede ein besonderes Anliegen. Er will seinen Zuhörern ins Gewissen reden, die Taufe nicht länger aufzuschieben. Dieser Appell zieht sich von Anfang bis Ende durch. Ein eindrückliches Beispiel davon findet sich in Abschnitt 25:

„Lasst uns Petrus und Johannes gleichen und eilen. Wie sie zum Grab und zur Auferstehung liefen, so wollen wir zum Taufbecken laufen, miteinander um die Wette, jeder bemüht, als Erster diesen Segen zu empfangen.“

Die Taufe ist für Gregor so wichtig, dass man, wenn man noch ungetauft ist, am besten alles stehen und liegen lässt und wie ein Wettläufer zum Wasser sprintet. Warum spricht er so eindringlich? Er erklärt unmittelbar danach:

„Sage nicht: ‚Geh fort und komm wieder; morgen werde ich mich taufen lassen‘, wenn du den Segen heute empfangen kannst. Sage nicht: ‚Ich will Vater, Mutter, Brüder, Ehefrau, Kinder, Freunde und alle, die mir lieb sind, bei mir haben; dann werde ich gerettet werden.‘ […] Wenn du so redest, besteht die Gefahr, dass jene, die du zu Teilhabern deiner Freude machen wolltest, am Ende Teilhaber deiner Trauer werden.“

Für Gregor steht das Heil auf dem Spiel. Die Taufe ist für ihn mehr als ein Zeichen. Er nennt sie unter anderem „Bad der Wiedergeburt“ (loutron palingenesias) und „Siegel“ (sphragis), weil sie die Sünde begräbt und den Bund mit Gott für ein neues Leben schließt (40,4.8). Wer den Gang ins Wasser wissentlich hinauszögert, spielt mit dem Feuer. Eben deshalb spricht Gregor mit so viel Nachdruck. Wie weit dieser Ernst reicht, zeigt Abschnitt 11: Komm zur Taufe, „solange deine Zunge noch nicht stammelt oder ausgetrocknet und der Fähigkeit beraubt ist, die sakramentalen Worte auszusprechen; solange du noch nicht bloß mutmaßlich, sondern anerkanntermaßen zu den Gläubigen gezählt werden kannst“.

Als Gläubiger (pistos) gilt man für Gregor nicht auf Vermutung hin, sondern aufgrund eines öffentlich erkennbaren Bekenntnisses.[9] Die Betonung liegt dabei weniger auf dem Eintauchen ins Wasser, denn das ist auch möglich, wenn die Zunge stammelt. Was dann aber nicht mehr möglich ist, ist die Aussprache der „sakramentalen Worte“.

Dass mit dem Wasser ein gesprochenes Bekenntnis einhergeht, sagt Gregor auch an anderer Stelle. In Abschnitt 26 vergleicht er den Täufling mit dem Kämmerer aus Apostelgeschichte 8, der selbst um die Taufe bittet: „Sprich diese Worte und lass dich taufen; lass dich taufen und werde gerettet.“ In Abschnitt 45 verlangt er, dass „durch sichtbare Handlungen und durch Worte“ erkennbar wird, dass der Täufling der Gottlosigkeit absagt, und legt ihm anschließend aus, was er glauben soll.

Wenn die Taufe heilsrelevant ist, was ist dann mit Kindern? Am Ende von Abschnitt 16 kündigt Gregor an, dass der Widersacher jedes Lebensalter und jede Lebensform angreift und überall zurückgewiesen werden muss. Er wiederholt den Punkt in Bezug auf Junge, Alte, Mütter kleiner Kinder, Jungfrauen, Verheiratete, Freie und Sklaven. Jedes Mal lautet die Aufforderung, die Taufe nicht aufzuschieben:

„Hast du ein kleines Kind? Gib der Sünde keine Gelegenheit, sondern lass es von Kindheit an geheiligt werden. Von seinem zartesten Alter an soll es durch den Geist geweiht werden. Fürchtest du das Siegel wegen der Schwäche seiner Natur? O kleingläubige und mutlose Mutter! Hanna versprach Samuel schon vor seiner Geburt Gott, weihte ihn unmittelbar nach seiner Geburt und zog ihn im priesterlichen Gewand auf. Sie fürchtete nichts an der menschlichen Natur, sondern vertraute auf Gott. […] Gib deinem Kind die Dreifaltigkeit als große und edle Beschützerin.“

Auch Kinder sollen also früh getauft werden. Ein Lebensalter nennt Gregor an dieser Stelle noch nicht. Nēpion bezeichnet zunächst ein kleines Kind, meint aber nicht zwingend einen Säugling. Abschnitt 17 beschreibt eine allgemeine Mahnung gegen das Aufschieben, keine Altersangabe für ein legitimes Taufalter. Ab wann getauft werden soll, erklärt er in den Abschnitten 23 und 28.[10]

Das rechte Taufalter

In Abschnitt 23 spricht Gregor über Menschen, die ungetauft bleiben, und unterscheidet nach dem Grad ihrer Schuld. Am schwersten wiegt für ihn, die Taufe aus Bosheit oder Torheit zu verachten. Weniger schwer ist es, sie aus Trägheit oder Gewinnsucht aufzuschieben. Dann nennt er eine dritte Gruppe: „Wieder andere sind nicht in der Lage, sie zu empfangen, vielleicht wegen ihres Kindesalters (dia nēpiotēta) oder aufgrund eines völlig unfreiwilligen Umstands.“ Über sie urteilt er, sie würden „vom gerechten Richter weder verherrlicht noch bestraft werden. Sie sind zwar unversiegelt, aber nicht böse.“[11]

Gregor verwendet hier den gleichen Wortstamm wie zuvor. Dasselbe unmündige Kind, das er in Abschnitt 17 früh geheiligt sehen will, kann laut Abschnitt 23 die Taufe aufgrund seines Alters unter normalen Umständen nicht empfangen.

Aber was ist mit seinem Heil? Ein Kind, das ungetauft stirbt, geht, so Gregor, nicht verloren, weil ihm keine eigene Bosheit zur Last fällt. Damit schreibt er ungetauften Kindern keine ererbte, persönlich verdammungswürdige Schuld zu. Darin unterscheidet er sich deutlich von Augustinus, der wesentlich für die Ausformulierung der Erbsünde verantwortlich war.

Interessanterweise erkennt Gregor einen Unterschied zwischen dem unbefleckten Zustand von Unmündigen und der gereinigten Natur eines Wiedergeborenen. Ohne Taufe gelten sie weiterhin als unversiegelt, was einen dritten Zustand neben Heiligkeit und Verderbtheit zu implizieren scheint.

Wenn das Alter ein Hindernis für die Taufe sein kann, stellt sich die Frage, ab wann man denn gemäß Gregor alt genug ist und wie man das erkennen kann. Genau diese Frage greift Gregor in Abschnitt 28 rhetorisch auf. Anscheinend wurde sie ihm so das eine oder andere Mal bereits gestellt. Dieser Teil ist so bedeutsam, dass er in voller Länge betrachtet werden muss:

„Manche werden sagen: ‚So sei es bei denen, die selbst um die Taufe bitten. Was aber sagst du über Kinder, die weder den Verlust noch die Gnade bewusst wahrnehmen? Sollen wir auch sie taufen?‘ Gewiss, wenn irgendeine Gefahr droht. Denn es ist besser, dass sie ohne eigenes Bewusstsein geheiligt werden, als dass sie unversiegelt und uneingeweiht aus dem Leben scheiden. Ein Beweis dafür liegt in der Beschneidung am achten Tag. Sie war eine Art vorbildliches Siegel und wurde Kindern verliehen, bevor sie den Gebrauch der Vernunft besaßen. Dasselbe gilt für die Bestreichung der Türpfosten, welche die Erstgeborenen bewahrte, obwohl sie auf Dinge angewandt wurde, die selbst kein Bewusstsein besaßen. Bei den übrigen Kindern rate ich jedoch, bis zum Ende des dritten Lebensjahres oder ein wenig länger oder kürzer zu warten, bis sie in der Lage sind, etwas über das Sakrament anzuhören und darauf zu antworten. Auch wenn sie es noch nicht vollkommen verstehen, sollen sie wenigstens seine Grundzüge kennen. Dann soll man sie an Seele und Leib durch das große Sakrament unserer Weihe heiligen. Die Sache verhält sich nämlich so: In dieser Zeit beginnen sie, für ihr Leben Verantwortung zu übernehmen, wenn die Vernunft heranreift und sie das Geheimnis des Lebens kennenlernen. Für Sünden, die sie wegen ihres zarten Alters in Unwissenheit begangen haben, müssen sie keine Rechenschaft ablegen. Doch ist es in jeder Hinsicht sehr viel nützlicher, durch das Taufbecken befestigt zu werden, und zwar wegen der plötzlichen Gefahren, die uns überfallen und stärker sind als unsere menschlichen Helfer.“

Gregor spricht hier einerseits von Ausnahmen und andererseits von der Norm und knüpft beides an konkrete Bedingungen.

Zuerst erwähnt er die Taufe von Kindern ohne eigenes Bewusstsein (anaisthētōs), also Säuglingen beziehungsweise Kleinstkindern. Sollen diese getauft werden? Seine Antwort lautet ja, sofern ihnen der Tod droht. Er knüpft die Säuglingstaufe ausdrücklich an diese Bedingung. Man muss hierbei bedenken, dass die Kindersterblichkeit in der Spätantike sehr hoch war.[12] Es ging also nicht um eine rein hypothetische Frage, sondern um eine traurige Alltagserfahrung seiner Zuhörer.

Als Begründung für diese Ausnahmeregelung führt Gregor keine Passagen über die Taufe an, sondern typologische Bilder aus dem Alten Testament. Er verweist auf die Beschneidung am achten Tag und das Passahblut an den Türpfosten. Damit zeigt er, dass Gott auch an unmündigen Kindern seine Gnade offenbart. Für möglich und wirksam hält Gregor die Taufe eines Säuglings also durchaus.

Nichtsdestotrotz ist das eine notgedrungene Ausnahme und nicht die Regel. Was das betrifft, verweist er nicht auf kirchliche Dogmatik oder apostolische Überlieferungen, sondern gibt eine persönliche Empfehlung wieder. Er schreibt: „ich gebe meinen Rat“ (didōmi gnōmēn).[13] Dieser lautet, abzuwarten, bis das Kind etwa drei Jahre alt ist. Ein Bischof von Konstantinopel gibt hier im 4. Jahrhundert in einer Grundfrage des christlichen Glaubens keine unzweideutige kirchliche Anweisung, sondern eine seelsorgerliche Empfehlung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Warum aber gerade drei Jahre? Gregor nennt den Grund selbst. In dieser Zeit reift die „Vernunft“ (logos) heran, und die Kinder beginnen „für ihr Leben Verantwortung zu übernehmen“. Erst in diesem Alter wird ein Kind fähig, „etwas über das Sakrament anzuhören und darauf zu antworten“. Die reguläre Taufe setzt für ihn also deshalb Vernunft voraus, weil erst sie Verständnis und Bekenntnis möglich macht. Dabei geht es ihm nicht um tiefe dogmatische Erkenntnis, es genügt, wenn sich die Grundzüge (typoumena) der Heilsbotschaft einprägen. Die Taufe setzt damit voraus, dass man das Evangelium von Jesus Christus erkennt und bekennt – sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern.

Die rechte Taufweise

Wie stellt sich Gregor den Vollzug der Taufe vor? Rede 40 beantwortet das nirgends ausdrücklich, aber seine Sprache setzt die Antwort durchgehend voraus. In Abschnitt 4 erklärt er den Namen der Gabe: „Taufe (baptisma), weil mit ihr die Sünde im Wasser begraben wird“ (synthaptomenēs tō hydati tēs hamartias). Baptizō bedeutet für ihn das Ein- bzw. Untertauchen.[14]

In dieselbe Richtung weist Abschnitt 9: „Lasst uns durch die Taufe mit Christus begraben werden (syntaphōmen), damit wir auch mit ihm auferstehen. Lasst uns mit ihm hinabsteigen (synkatelthōmen), damit wir mit ihm erhöht werden. Lasst uns mit ihm hinaufsteigen (synanelthōmen), damit wir gemeinsam mit ihm verherrlicht werden.“

Gregor greift damit Römer 6,4 auf, wo Paulus dasselbe Wort für das Mitbegrabenwerden in der Taufe verwendet (synetaphēmen). Begraben, hinabsteigen und heraufsteigen beschreiben die Bewegung der Immersion. So schildert er auch die Taufe seines eigenen Vaters, der seinerseits aus dem Wasser heraufstieg und von Licht umstrahlt wurde (Rede 18,12–13). In Bezug auf die Taufe der Arianer, die er ausdrücklich verwirft, spricht er auch von katabaptizō, „hinuntertauchen“ (Rede 33,17). Strittig war nicht die Praxis, sondern der Glaube, auf den hin getauft wurde.

Zu den übrigen Riten erfahren wir wenig. Sündenbekenntnis und Exorzismen gehören zur Vorbereitung (40,27). Nach der Taufe folgen ein neues Gewand, Psalmengesang und Lampen beim Einzug in die Kirche (40,25.46). Das Interesse der Rede gilt letztlich nicht der Liturgie, sondern der Frage, was die Taufe ist und wer sie empfangen soll.

Synthese

Gregors Familiengeschichte zeigt ein klares Muster. Kinder wurden von Geburt an Gott geweiht und im Glauben erzogen, aber nicht als Säuglinge getauft. Gregor selbst empfing die Taufe mit ungefähr dreißig Jahren, sein Bruder Caesarius mit Ende dreißig. In seiner Rede fordert er die Mütter auf, ihre Kinder so früh wie möglich zur Taufe zu führen, nämlich sobald das Kind die Worte des Evangeliums hören und im kindlichen Glauben darauf antworten kann.

Die Rede zeigt auch etwas über das Umfeld. Gregor sieht sich einerseits genötigt, Mütter zu ermutigen, ihren kleinen Kindern das Siegel nicht vorzuenthalten, und andererseits den Einwand zu beantworten, ob und unter welchen Umständen man Unmündige taufen soll. Um 380 war die Säuglingstaufe demnach im griechischen Osten keine selbstverständliche, allgemein geübte Kirchenpraxis, sondern eine offene Frage. Everett Ferguson schreibt dazu: „Es ergibt mehr Sinn, Gregors Vorschlag als Reaktion auf eine neu aufkommende Praxis der Säuglingstaufe außerhalb von Notfällen zu verstehen, als ihn als Versuch zu deuten, einen lange bestehenden Brauch zu verändern.“[15]

Gregor selbst nennt das Kindesalter als Grund, warum jemand die Taufe noch nicht empfangen kann. Zugleich hält er fest, dass solche Kinder vor Gott nicht verloren sind, weil sie noch nicht böse und rechenschaftspflichtig sind. Die Dringlichkeit, mit der er Erwachsene zum Taufbecken ruft, gilt dem Unmündigen nicht in gleicher Weise. Nur wenn der Tod droht, rät er zur Säuglingstaufe, weil es selbst für sie in ihrer Unschuld besser sei, getauft als ungetauft zu sterben.

Seine Altersempfehlung ist ausdrücklich persönlicher Rat und kein kirchliches Dogma. Ihre Begründung folgt der Logik der Bekenntnistaufe. Der Täufling soll das Evangelium hören, in Grundzügen verstehen und mit dem eigenen Mund bekennen. Verständnis und Bekenntnis gehen dem Wasser voraus. Die Taufe ohne eigenes Bewusstsein bleibt die Ausnahme für den Notfall. Dabei ist Gregor kein „Baptist“. Die Taufe ist für ihn ein heilswirksames Sakrament, und die Nottaufe sterbender Säuglinge hält er für gültig.

Fazit

Gregor von Nazianz zeigt, dass die Säuglingstaufe im späten 4. Jahrhundert in Kappadokien und Konstantinopel keine allgemeine Kirchenpraxis war. Für den Normalfall gehen bei ihm Hören, Verstehen und das eigene Bekenntnis dem Wasser voraus. Die Taufe ohne eigenes Bewusstsein bleibt dem Notfall vorbehalten.

Der Kirchenvater lässt sich somit keiner der heute üblichen Traditionen eindeutig zuordnen. Seine persönliche Empfehlung in einer so zentralen Frage des christlichen Glaubens verdeutlicht, wie sehr sich Lehre und Praxis der Christenheit in den ersten Jahrhunderten im Wandel befanden. Unveränderlich und unfehlbar ist und bleibt allein das lebendige Wort Gottes.


[1] Zur biographischen Darstellung vgl. H. W. Watkins, „Gregorius (14) Nazianzenus, bp. of Sasima and of Constantinople“, in: Henry Wace und William C. Piercy (Hg.), A Dictionary of Early Christian Biography and Literature to the End of the Sixth Century A.D., with an Account of the Principal Sects and Heresies, Peabody, MA: Hendrickson Publishers, 1999, S. 860–881, Nachdruck der Ausgabe London: John Murray, 1911. Außerdem Jean Gribomont, „Gregory of Nazianzus“, in: Angelo Di Berardino (General Editor), Thomas C. Oden und Joel C. Elowsky (Consulting Editors), Encyclopedia of Ancient Christianity, Bd. 2: F–O, Downers Grove, IL: IVP Academic, 2014.

[2] Angehörige einer spätantiken Religionsgemeinschaft, die den höchsten Gott verehrte und dabei Elemente jüdischer, christlicher und heidnischer Frömmigkeit miteinander verband.

[3] Sie verstand ihren Sohn als eine Gabe Gottes und bestimmte ihn aufgrund eines persönlichen Gelübdes für ein Leben im geistlichen Dienst. Es handelte sich dabei nicht um einen kirchlichen Ritus, sondern um einen persönlichen Akt der Hingabe. Gregor verglich diese Widmung später mit der biblischen Geschichte Isaaks.

[4] Gregor nennt selbst kein Taufdatum. Sicher ist, dass er während der Überfahrt nach Athen noch ungetauft war und die Taufe erst nach seiner langen Studienzeit empfing.

[5] Caesarius von Nazianz war Gregors jüngerer Bruder. Er studierte in Alexandria und arbeitete später als Arzt am Kaiserhof. Nach einem überlebten Erdbeben ließ er sich taufen und starb kurz darauf.

[6] Sasima war ein kleiner Ort in Kappadokien, den Basilius im Zuge eines Streits um kirchliche Zuständigkeiten zum Bischofssitz erhob. Gregor ließ sich nur widerwillig weihen und trat das Amt dort praktisch nicht an.

[7] Die Datierung der Reden 38 bis 40 ist nicht ganz sicher. Sie werden entweder dem Jahreswechsel 379/380 oder 380/381 zugeordnet.

[8] Gregor von Nazianz, Oratio 40 (In sanctum baptisma), Patrologia Graeca (PG), Bd. 36, S. 360–425. Übersetzung durch den Verfasser.

[9] G. W. H. Lampe, Hrsg., A Patristic Greek Lexicon, Oxford: Clarendon Press, 1961, S. 1087–1088 zu πιστός.

[10] Lampe, a. a. O., S. 908–909 zu νήπιος.

[11] Lampe, a. a. O., S. 908 zu νηπιότης, S. 253 zu ἀσφράγιστος und S. 203 zu ἀπόνηρος. Lampe gibt ἀπόνηρος mit „ohne Bosheit“, „unschuldig“ und „arglos“ wieder und führt Gregors Formulierung aus Oratio 40,23 ausdrücklich an.

[12] Neben den generellen Faktoren wie Hungersnöten, mangelnder Hygiene und medizinischer Versorgung führten vor allem Epidemien wie die Antoninische Pest (165–180 n. Chr.) oder die Cyprianische Pest (um 250–270 n. Chr.) in der frühen Christenheit zu hoher Kindersterblichkeit.

[13] Lampe, a. a. O., S. 317–318 zu γνώμη, unter anderem in der Bedeutung „Meinung“ und „Rat“.

[14] Lampe, a. a. O., S. 283–288 zu βαπτίζω und βάπτισμα. Lampe gibt βαπτίζω unter anderem mit „untertauchen“, „versenken“ und „eintauchen“ wieder. Gregors Verwendung der zusammengesetzten Form καταβαπτίζω präzisiert die Richtung durch κατά, „hinab“, und bedeutet entsprechend „hinuntertauchen“ oder „unter Wasser tauchen“.

[15] Everett Ferguson, Baptism in the Early Church: History, Theology, and Liturgy in the First Five Centuries, Grand Rapids: Eerdmans, 2009, S. 596. Übersetzung durch den Verfasser.

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Von Robin
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