In den kanonischen Schriften der Septuaginta erscheint die Wortgruppe báptō (βάπτω) / baptízō (βαπτίζω) insgesamt 20-mal.[1] In 15 Fällen gibt sie das hebräische Verb ṭābal (טבל) wieder. Die Belege reichen vom Eintauchen eines Ysopbüschels in Blut oder Wasser und eines priesterlichen Fingers in Blut oder Öl bis zum Tunken einer Stabspitze in Honig oder eines Bissens in Essig. Daneben bezeichnen die Verben das Eintauchen der Füße ins Wasser und das Untertauchen einer ganzen Person. Für Naamans siebenfaches Untertauchen im Jordan verwendet die Septuaginta baptízō.
In den übrigen fünf Fällen gibt die Wortgruppe andere Verben wieder. In 3. Mose 11,32 steht báptō für das geläufige Bewegungsverb bôʾ (בוא). Im Kausativ-Passiv (Hofal) meint der Begriff hier, dass verunreinigte Gegenstände ins Wasser gebracht oder gelegt werden sollen. In Psalm 68,24 entspricht báptō dem Verb māḥaṣ (מחץ), das gewöhnlich „zerschmettern“, „zerschlagen“ oder „verwunden“ bedeutet. Die Septuaginta deutet das Siegesbild offenbar so, dass der Fuß in das Blut der Feinde eintaucht oder darin watet.
In Daniel 4,30 und 5,21 gibt báptō das aramäische ṣebaʿ (צבע) wieder. Beide Stellen beschreiben, wie Nebukadnezars Leib vom Tau des Himmels benetzt wird. Der Begriff kann also nicht nur eine Bewegung in eine Flüssigkeit hinein, sondern auch das Benetzt- oder Durchnässtwerden durch Flüssigkeit bezeichnen.
Der fünfte abweichende Beleg steht in Jesaja 21,4. Das hebräische biʿătatnî (בִּעֲתָתְנִי) bedeutet „sie hat mich erschreckt“. Die Septuaginta formuliert dagegen „die Gesetzlosigkeit überwältigt mich“ und verwendet baptízō damit in bildlicher Weise.
Auch in den deuterokanonischen Schriften begegnet baptízō im Zusammenhang mit Waschungen. In Judit steht es für das Baden an einer Wasserquelle. In Jesus Sirach bezeichnet es ein rituelles Tauchbad nach der Berührung eines Toten. Der anschließende Ausdruck loutrón (λουτρόν) nimmt denselben Vorgang als Bad oder Waschung wieder auf.
Wörterbuch
Griechisch
báptō (βάπτω): etw. ein- oder untertauchen, etw. eintunken, etw. in eine Flüssigkeit tauchen oder etw. färben. [2]
baptízō (βαπτίζω): intensivierte Form von báptō mit der Grundbedeutung „ein- oder untertauchen“; je nach Kontext auch etw. versenken, untergehen oder ertrinken, sich baden oder waschen, von etw. überwältigt werden sowie im religiösen Gebrauch taufen.[3]
loutrón (λουτρόν): Bad, Badeplatz oder Badehaus, Badewasser; im religiösen Zusammenhang Waschung oder Reinigungsbad, im Neuen Testament auch als Bezeichnung der Taufe.[4]
Hebräisch / Aramäisch
bāʿat (בעת): Nifal von plötzlicher Angst ergriffen werden, erschrecken, sich fürchten; Piel jmdn. erschrecken, jmdn. in Angst versetzen, jmdn. plötzlich überfallen oder überwältigen.[5]
bôʾ (בוא): Qal hineingehen, eintreten, kommen, gelangen, sich nähern oder heimkehren; Hifil etw. oder jmdn. bringen, hineinbringen, hineinführen, kommen lassen oder einbringen; Hofal gebracht, hineingebracht oder hineingelegt werden.[6]
māḥaṣ (מחץ): Qal etw. zerschmettern, zerschlagen, zertrümmern oder verwunden; jmdn. niederstrecken oder vernichten.[7]
ṭābal (טבל): Qal etw. eintauchen, etw. tunken, jmdn. eintauchen oder untertauchen, in etw. eintauchen oder hineinsteigen; Nifal eingetaucht werden, mit den Füßen ins Wasser geraten.[8]
ṣebaʿ (צבע): Pael etw. befeuchten oder benetzen; Hitpael/Hitpeel feucht oder nass werden, benetzt werden.[9]
Bibelstellen
Die deutschen Zitate der kanonischen Schriften orientieren sich an der Elberfelder Übersetzung, Edition CSV Hückeswagen. Die deuterokanonischen Zitate folgen der Einheitsübersetzung 2016. Die griechischen Wortformen folgen der Septuaginta-Ausgabe von Rahlfs und Hanhart, die hebräischen und aramäischen Formen der Biblia Hebraica Stuttgartensia. Hervorhebungen wurden ergänzt.
Kanonisch
2. Mose 12,22: „Und nehmt ein Büschel Ysop und taucht es (griech.: βάψαντες; hebr.: וּטְבַלְתֶּם) in das Blut, das im Becken ist, und streicht von dem Blut, das im Becken ist, an den Türsturz und an die beiden Pfosten; ihr aber, keiner von euch soll zur Tür seines Hauses hinausgehen bis zum Morgen.“
3. Mose 4,6: „Und der Priester tauche (griech.: βάψει; hebr.: וְטָבַל) seinen Finger in das Blut und sprenge von dem Blut siebenmal vor dem HERRN gegen den Vorhang des Heiligtums hin.“
3. Mose 4,17: „Und der Priester tauche (griech.: βάψει; hebr.: וְטָבַל) seinen Finger in das Blut und sprenge siebenmal vor dem HERRN gegen den Vorhang hin.“
3. Mose 9,9: „Und die Söhne Aarons reichten ihm das Blut; und er tauchte (griech.: ἔβαψεν; hebr.: וַיִּטְבֹּל) seinen Finger in das Blut und tat davon an die Hörner des Altars, und er goss das Blut an den Fuß des Altars.“
3. Mose 11,32: „Und alles, worauf eins von ihnen fällt, wenn sie tot sind, wird unrein sein: Jedes Holzgerät oder Kleid oder Fell oder jeder Sack, jedes Gerät, womit eine Arbeit verrichtet wird, es soll ins Wasser getan werden (griech.: βαφήσεται; hebr.: יוּבָא) und wird unrein sein bis zum Abend; dann wird es rein sein.“
3. Mose 14,6: „Den lebenden Vogel soll er nehmen, ihn und das Zedernholz und das Karmesin und den Ysop, und diese und den lebenden Vogel in das Blut des Vogels tauchen (griech.: βάψει; hebr.: וְטָבַל), der über dem lebendigen Wasser geschlachtet worden ist.“
3. Mose 14,16: „Und der Priester tauche (griech.: βάψει; hebr.: וְטָבַל) seinen rechten Finger in das Öl, das in seiner linken Hand ist, und sprenge von dem Öl mit seinem Finger siebenmal vor dem HERRN.“
3. Mose 14,51: „Und er nehme das Zedernholz und den Ysop und das Karmesin und den lebenden Vogel und tauche sie (griech.: βάψει; hebr.: וְטָבַל) in das Blut des geschlachteten Vogels und in das lebendige Wasser und besprenge das Haus siebenmal.“
4. Mose 19,18: „Und ein reiner Mann soll Ysop nehmen und ihn in das Wasser tauchen (griech.: βάψει; hebr.: וְטָבַל) und soll auf das Zelt und auf alle Geräte und auf die Personen sprengen, die dort sind, und auf den, der das Gebein oder den Erschlagenen oder den Gestorbenen oder das Grab berührt hat.“
5. Mose 33,24: „Und von Aser sprach er: Gesegnet an Söhnen sei Aser; er sei wohlgefällig seinen Brüdern, und er tauche seinen Fuß in Öl (griech.: βάψει; hebr.: וְטֹבֵל)!“
Josua 3,15: „Und sobald die Träger der Lade an den Jordan kamen und die Füße der Priester, die die Lade trugen, in den Rand des Wassers tauchten (griech.: ἐβάφησαν; hebr.: נִטְבְּלוּ) – der Jordan aber ist voll über alle seine Ufer die ganze Zeit der Ernte hindurch –, …“
Rut 2,14: „Und zur Essenszeit sprach Boas zu ihr: Tritt hierher und iss vom Brot und tauche deinen Bissen in den Essig (griech.: βάψεις; hebr.: וְטָבַלְתְּ). Da setzte sie sich zur Seite der Schnitter; und er reichte ihr geröstete Körner, und sie aß und wurde satt und ließ übrig.“
1. Samuel 14,27: „Jonathan aber hatte es nicht gehört, als sein Vater das Volk beschwor; und er streckte das Ende seines Stabes aus, der in seiner Hand war, und tauchte ihn in den Honigseim (griech.: ἔβαψεν; hebr.: וַיִּטְבֹּל) und brachte seine Hand wieder zu seinem Mund, und seine Augen wurden hell.“
2. Könige 5,14: „Da stieg er hinab und tauchte sich im Jordan siebenmal unter (griech.: ἐβαπτίσατο; hebr.: וַיִּטְבֹּל), nach dem Wort des Mannes Gottes. Da wurde sein Fleisch wieder wie das Fleisch eines jungen Knaben, und er war rein.“
2. Könige 8,15: „Und es geschah am nächsten Tag, da nahm er die Decke und tauchte sie ins Wasser (griech.: ἔβαψεν; hebr.: וַיִּטְבֹּל) und breitete sie über sein Angesicht, sodass er starb. Und Hasael wurde König an seiner statt.“
Psalm 68,24: „Damit dein Fuß in Blut getaucht werde (griech.: βαφῇ; hebr.: תִּמְחַץ), die Zunge deiner Hunde ihren Anteil von den Feinden bekomme.“
Hiob 9,31: Der hebräische Text lautet: „Dann würdest du mich in die Grube tauchen“ (hebr.: תִּטְבְּלֵנִי). Die griechische Fassung formuliert dagegen: „Du hast mich in Schmutz getaucht“ (griech.: ἐν ῥύπῳ με ἔβαψας).
Jesaja 21,4: Der hebräische Text lautet: „Mein Herz schlägt wild, Schauder ängstigt mich“ (hebr.: בִּעֲתָתְנִי). Die griechische Fassung formuliert dagegen: „Die Gesetzlosigkeit überwältigt mich“ (griech.: ἡ ἀνομία με βαπτίζει).
Daniel 4,30: „In demselben Augenblick wurde das Wort über Nebukadnezar vollzogen; und er wurde von den Menschen ausgestoßen, und er aß Kraut wie die Rinder, und sein Leib wurde vom Tau des Himmels benetzt (griech.: ἐβάφη; aram.: יִצְטַבַּע), bis sein Haar wie Adlerfedern wuchs und seine Nägel wie Vogelkrallen.“
Daniel 5,21: „Und er wurde aus der Gemeinschaft der Menschen verstoßen, und sein Herz wurde dem der Tiere gleich, und er musste bei den Wildeseln hausen und fraß Kraut wie die Rinder, und sein Leib wurde vom Tau des Himmels benetzt (griech.: ἐβάφη; aram.: יִצְטַבַּע), bis er erkannte, dass der höchste Gott Gewalt über die Königreiche der Menschen hat und darüber einsetzt, wen er will.“
Deuterokanonisch
Judit 12,7 (EU): „Da befahl Holofernes seinen Leibwächtern, sie nicht daran zu hindern. So verbrachte sie drei Tage im Lager und ging jede Nacht in die Schlucht von Betulia hinaus, um sich im Lager an der Wasserquelle zu baden (griech.: ἐβαπτίζετο).“
Jesus Sirach 34,30 (EU): „Wer ein Tauchbad nach der Berührung mit einem Toten nimmt (griech.: βαπτιζόμενος) und ihn wieder anfasst – was hat ihm das Waschen (griech.: λουτρῷ) genützt?“
Fazit
Die Untersuchung zeigt, dass báptō (βάπτω) und baptízō (βαπτίζω) in der Septuaginta überwiegend das hebräische Verb ṭābal (טבל) wiedergeben und im Kern zum Bedeutungsfeld des Eintauchens, Eintunkens und Untertauchens gehören. Báptō bezeichnet meist konkrete Tauchvorgänge mit Gegenständen oder Körperteilen, kann aber auch den durch Flüssigkeit bewirkten Zustand des Benetzt- oder Durchnässtseins ausdrücken. Baptízō ist in den untersuchten Stellen vor allem auf Personen bezogen und bezeichnet ihr Untertauchen oder Baden; in Jesaja 21,4 wird es bildlich für ein überwältigendes Erfasstwerden gebraucht. In den deuterokanonischen Schriften tritt besonders der Zusammenhang mit Waschung und ritueller Reinigung hervor.
[1] Das Buch Daniel ist in zwei antiken griechischen Fassungen überliefert. Die Form ἐβάφη steht in Daniel 4,30/33 und 5,21 nur in der später allgemein verbreiteten Fassung von Theodotion. Je nach zugrunde gelegter Fassung ergibt sich daher eine Gesamtzahl von 20 oder 18 Vorkommen.
[2] Albrecht Oepke, „βάπτω, βαπτίζω, βαπτισμός, βάπτισμα, βαπτιστής“, in Theological dictionary of the New Testament, hg. von Gerhard Kittel, Geoffrey W. Bromiley, und Gerhard Friedrich (Grand Rapids, MI: Eerdmans, 1964–), 529–546.
[3] Ebd.
[4] Albrecht Oepke, „λούω, ἀπολούω, λουτρόν“, in Theological dictionary of the New Testament, hg. von Gerhard Kittel, Geoffrey W. Bromiley, und Gerhard Friedrich (Grand Rapids, MI: Eerdmans, 1964–), 295–307.
[5] Ludwig Koehler u. a., The Hebrew and Aramaic lexicon of the Old Testament (Leiden: E.J. Brill, 1994–2000), 147.
[6] Ludwig Koehler u. a., The Hebrew and Aramaic lexicon of the Old Testament (Leiden: E.J. Brill, 1994–2000), 112–114.
[7] Ludwig Koehler u. a., The Hebrew and Aramaic lexicon of the Old Testament (Leiden: E.J. Brill, 1994–2000), 571.
[8] Ludwig Koehler u. a., The Hebrew and Aramaic lexicon of the Old Testament (Leiden: E.J. Brill, 1994–2000), 368.
[9] Ludwig Koehler u. a., The Hebrew and Aramaic lexicon of the Old Testament: Aramaic, The Hebrew and Aramaic lexicon of the Old Testament (Leiden; New York: E.J. Brill, 1994–2000), 1962.




