Abstract
Dieser Beitrag begründet die amillennialistische Auffassung, dass das in Offenbarung 20 beschriebene Millennium keine zukünftige irdische Epoche, sondern die gegenwärtige himmlische Herrschaft Christi zwischen seinem ersten Kommen und seiner Wiederkunft bezeichnet. Dafür werden elf Argumente entfaltet:
- Die zwei Zeitalter: Die neutestamentliche Gegenüberstellung des gegenwärtigen und des kommenden Zeitalters spricht dafür, dass Christi Wiederkunft unmittelbar Auferstehung, Gericht und Vollendung herbeiführt, ohne dass sich dazwischen ein weiteres Zeitalter einordnet.
- Der Aufbau der Offenbarung: Die Offenbarung schildert die Heilsgeschichte in wiederkehrenden Visionszyklen, weshalb Offenbarung 20 nicht zwingend chronologisch auf Offenbarung 19 folgt, sondern denselben Zeitraum aus einer neuen Perspektive darstellen kann.
- Der Endkonflikt im Bibelkanon: Offenbarung 19 führt die zentralen alttestamentlichen Prophezeiungen über den letzten Aufstand der Nationen und Gottes abschließendes Gericht zusammen und beschreibt Christi Wiederkunft dadurch als endgültige Vernichtung aller widergöttlichen Mächte, nicht als vorläufigen Sieg vor einem weiteren weltweiten Aufstand.
- Der gemeinsame Hesekiel-Bezug: Die Endkampfszenen in Offenbarung 19 und 20 greifen beide Hesekiel 38–39 auf und legen dadurch nahe, dass sie denselben letzten Aufstand der Nationen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beschreiben.
- „Der Krieg“ gegen die Nationen: Die sprachliche Verbindung zwischen Offenbarung 16, 19 und 20 weist auf einen einzigen abschließenden Krieg hin, zu dem die Nationen vor dem endgültigen Gericht versammelt werden.
- Die Vernichtung der Feinde Gottes: Die vollständige Beseitigung der gegen Christus versammelten Streitmacht in Offenbarung 19 spricht gegen die Annahme einer weiteren weltweiten Rebellion nach seiner Wiederkunft.
- Die Chronologie der Ereignisse: Die Abfolge von Offenbarung 18–20 ist vor allem sachlich und thematisch geordnet, indem nacheinander die Gerichte über Babylon, das Tier, den falschen Propheten und schließlich Satan dargestellt werden.
- Die Bindung Satans: Satans Bindung bezeichnet die durch Christi erstes Kommen bewirkte Begrenzung seiner Macht, durch die er bis zur letzten kurzen Rebellion daran gehindert wird, die Nationen geschlossen gegen Gott zu versammeln.
- Die tausend Jahre: Die Zahl tausend ist entsprechend der symbolischen Sprache der Offenbarung als Bezeichnung für die von Gott vollständig bemessene Dauer der gegenwärtigen Heilszeit zu verstehen.
- Die himmlische Herrschaft: Die Throne und die Seelen der Märtyrer in Offenbarung 20 verweisen auf eine himmlische Wirklichkeit, in der die verstorbenen Gläubigen bereits jetzt mit Christus leben und regieren.
- Die erste Auferstehung: Die erste Auferstehung bezeichnet die gegenwärtige Anteilhabe verstorbener Gläubiger am Auferstehungsleben Christi, während die allgemeine leibliche Auferstehung bei seiner Wiederkunft erfolgt.
Das Millennium ist demnach die bereits gegenwärtige Herrschaft des erhöhten Christus, in der Satan begrenzt ist und die verstorbenen Heiligen mit Christus regieren, bis diese Herrschaft bei seiner Wiederkunft in Auferstehung, Gericht und Neuschöpfung vollendet wird.
Wie alles begann…
Ich bin seit beinahe zwanzig Jahren Christ und glaubte fast ebenso lange an ein zukünftiges tausendjähriges Reich. Diese Überzeugung ging auf meine anfängliche, stark dispensationalistische Prägung zurück. Den Dispensationalismus ließ ich zwar relativ schnell hinter mir, an der Erwartung eines buchstäblichen Millenniums hielt ich jedoch fest. Ich bezog dieses Reich nun nicht mehr auf das ethnische Israel, sondern verstand es als Herrschaft Christi mit seiner Gemeinde. Damit vertrat ich über viele Jahre den so genannten historischen Prämillennialismus.[1]
Mit dem Millennium selbst hatte ich mich allerdings kaum eingehend beschäftigt. Eschatologische Fragen interessierten mich schlicht weniger als andere theologische Themen. In den vergangenen vier Jahren setzte ich mich jedoch intensiv mit der Heilsgeschichte als Ganzem auseinander und entwickelte dabei einen Ansatz, den ich „Differenzierende Bundestheologie“ nenne. Darunter verstehe ich eine hermeneutische Metakategorie, die Modelle wie den progressiven Föderalismus und den 1689-Föderalismus umfasst.[2]
Nachdem sich für mich auf diese Weise die heilsgeschichtliche Linie von der Schöpfung über Christus bis zur Neuschöpfung im Wesentlichen geklärt hatte, blieb ein entscheidender Abschnitt offen. Ich musste verstehen, was zwischen der Wiederkunft Christi und der Vollendung geschieht. So kam ich schließlich an den Punkt, mich erstmals gründlich mit dem Millennium auseinanderzusetzen.
Dabei wurde mir schnell bewusst, dass der Amillennialismus keineswegs jene hanebüchene Vergeistlichung ist, als die er häufig dargestellt wird. Gerade die exegetischen Argumente aus der Offenbarung und dem übrigen biblischen Zeugnis stellten meine bisherige Position zunehmend infrage. Was als ergebnisoffene Prüfung begann, führte mich in den vergangenen sechs Monaten Schritt für Schritt zu einem grundlegenden Umdenken.
Im Folgenden möchte ich die wichtigsten Argumente darlegen, weshalb ich das Millennium nicht mehr als zukünftige irdische Epoche, sondern als gegenwärtige himmlische Wirklichkeit verstehe und damit eben den Amillennialismus vertrete.
11 Argumente für den Amillennialismus
1. Die zwei Zeitalter
Das Neue Testament unterscheidet grundlegend zwischen „diesem Zeitalter“ und „dem kommenden Zeitalter“ (Mt 12,32; Mk 10,30; Lk 18,30; 20,34–36; Eph 1,21). Mit Christi erstem Kommen ist das zukünftige Zeitalter bereits angebrochen, während das gegenwärtige noch fortbesteht. Bei seiner Wiederkunft endet dieses Zeitalter, und das kommende erreicht seine Vollendung. Die Wiederkunft eröffnet kein Zwischenzeitalter, sondern vollendet, was mit Christi erstem Kommen begonnen hat.
Jesus beschreibt diesen Gegensatz besonders deutlich. „Die Söhne dieser Welt heiraten und werden verheiratet.“ Wer dagegen gewürdigt wird, „jener Welt teilhaftig zu sein und der Auferstehung aus den Toten“, heiratet nicht mehr und „kann auch nicht mehr sterben“ (Lk 20,34–36). Das kommende Zeitalter ist damit nicht bloß eine verbesserte Fortsetzung der gegenwärtigen Welt, sondern das Zeitalter der Auferstehung, der Unsterblichkeit und des ewigen Lebens. Entsprechend verheißt Jesus denen, die um seinetwillen alles verlassen, „in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben“ (Mk 10,30; Lk 18,30).
Vor diesem Hintergrund lässt sich zwischen dem gegenwärtigen und dem kommenden Zeitalter nur schwer noch eine weitere Epoche einordnen. Der historische Prämillennialismus rechnet jedoch nach der Wiederkunft mit einer Welt, in der verherrlichte Gläubige neben weiterhin sterblichen Menschen leben. Es wird geheiratet und gestorben, und am Ende erhebt sich erneut eine große Zahl von Menschen gegen Christus. Eine solche Ordnung passt nur schwer zu Jesu Beschreibung des kommenden Zeitalters.
Paulus beschreibt in 1Kor 15 denselben Zusammenhang. Christus ist als Erstling auferstanden. Bei seiner Ankunft werden „die, die des Christus sind“, auferweckt; „dann“ kommt „dann das Ende“, wenn er das Reich dem Vater übergibt (Vv. 23–24). Bis dahin herrscht Christus, bis alle Feinde unterworfen sind; als letzter wird der Tod beseitigt (Vv. 25–26). Bei der letzten Posaune werden die Toten unverweslich auferweckt und die Lebenden verwandelt. Dann erfüllt sich das Wort „Verschlungen ist der Tod in Sieg“ (Vv. 52–54).
Das Wort „dann“ in Vers 24 schließt für sich genommen keinen längeren zeitlichen Abstand aus. Dennoch führt Paulus stringent seinen Gedankengang von der Auferstehung der Gläubigen bei Christi Wiederkunft über die Beseitigung des letzten Feindes bis zum Ende. Ein Reich, in dem der Tod noch tausend Jahre fortbesteht und am Schluss erneut eine weltweite Rebellion ausbricht, erwähnt er nicht. Eine solche Zwischenzeit muss daher aus einer bestimmten Auslegung von Offb 20 ergänzt werden.
Joh 5,28–29 verbindet ebenfalls die Auferstehung der Gerechten und der Gottlosen. Es kommt „die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören“ und hervorkommen werden. Die einen gelangen „zur Auferstehung des Lebens“, die anderen „zur Auferstehung des Gerichts“. Jesus beschreibt keine zwei ausdrücklich durch tausend Jahre getrennten leiblichen Auferstehungen, sondern eine gemeinsame eschatologische Stunde mit zwei entgegengesetzten Ausgängen.
Dasselbe gilt für das Gericht. Wenn der Sohn des Menschen in seiner Herrlichkeit kommt, werden „alle Nationen“ vor ihm versammelt und voneinander geschieden (Mt 25,31–32). „Diese werden hingehen in die ewige Pein, die Gerechten aber in das ewige Leben“ (V. 46). Auch 2Thess 1,6–10 verbindet die Offenbarung Christi mit Ruhe für die bedrängten Gläubigen und Gericht über ihre Bedränger. Die Wiederkunft Christi scheint konsequent beiden Gruppen ihren endgültigen Ausgang zu bringen.
Die Erneuerung der Schöpfung wird ebenfalls mit der Wiederkunft verbunden. Nach Apg 3,21 muss der Himmel Christus aufnehmen „bis zu den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge“. In 2Petr 3,10–13 bringt der „Tag des Herrn“ das Gericht über die gegenwärtige Schöpfung. Die Himmel werden aufgelöst, die Elemente zerschmelzen, und die Erwartung richtet sich auf „neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt“. Petrus spricht nicht von einem Zwischenreich, sondern von der Neuschöpfung.
Keine dieser Stellen widerlegt für sich allein den Prämillennialismus. Zusammengenommen ergeben sie jedoch ein einheitliches Bild. Christi Wiederkunft bringt die Auferstehung, die endgültige Scheidung der Menschen, die Vernichtung des Todes und die Vollendung der Schöpfung. Der historische Prämillennialismus erwartet zwischen diesen Ereignissen eine weitere Epoche, die im Neuen Testament außerhalb seiner Auslegung von Offb 20 nirgends ausdrücklich beschrieben wird.
2. Der Aufbau der Offenbarung
Der Prämillennialismus hängt wesentlich von der Annahme ab, dass Offb 20 zeitlich an Offb 19 anschließt. Die Offenbarung ordnet ihre Visionen jedoch wiederholt so, dass Johannes die Heilsgeschichte bis zum Endgericht führt und anschließend an einem früheren Punkt neu einsetzt. Sie beschreibt mehrfach denselben Zeitraum aus einer anderen Perspektive mit ergänzenden Einblicken. Ob Johannes chronologisch fortfährt oder rekapituliert, muss jeweils aus dem Zusammenhang der Visionen begründet werden.
Das klarste Beispiel für eine Rekapitulation bietet der Übergang von Offb 11 zu 12. Mit der siebten Posaune reicht die Vision bis zur endgültigen Herrschaft und zum Gericht. „Das Reich der Welt unseres Herrn und seines Christus ist gekommen“, zugleich ist „die Zeit der Toten, gerichtet zu werden“ und „die zu verderben, die die Erde verderben“ (Offb 11,15.18). Offb 12 fährt dann nicht mit einem neuen Himmel und einer neuen Erde fort, sondern kehrt zur Geburt Jesu, seiner Himmelfahrt und dem Kampf Satans gegen die Gemeinde zurück.
Dasselbe Muster begegnet uns an weiteren Stellen. Beim sechsten Siegel heißt es: „Denn gekommen ist der große Tag seines Zorns, und wer vermag zu bestehen?“ (Offb 6,17). Die siebte Posaune führt erneut zum Gericht der Toten und zur ewigen Herrschaft Gottes (Offb 11,15–18). Die siebte Zornesschale endet schließlich mit dem Ruf „Es ist geschehen“ und dem Zusammenbruch der widergöttlichen Welt (Offb 16,17–21). Johannes beschreibt nicht mehrere Weltenenden nacheinander. Er führt verschiedene Visionsreihen bis zum selben Abschluss und erweitert dabei das Gesamtbild um neue Facetten.
Offb 20 greift ebenfalls Motive auf, die in früheren Visionen entfaltet wurden. Besonders eng ist die Verbindung zu Offb 12. Beide Visionen bezeichnen den Feind als „Drache“, „alte Schlange“, „Teufel“ und „Satan“ (Offb 12,9; 20,2). Beide verbinden seine Niederlage beziehungsweise Einschränkung mit der Herrschaft Christi und der Treue der Heiligen. Offb 12 sagt, dass Satan nur noch „wenig Zeit“ hat und nach Offb 20 muss er am Ende für „eine kleine Zeit“ gelöst werden (Offb 12,11–12; 20,3). Die Visionen sind nicht völlig identisch, greifen aber erkennbar denselben großen Konflikt zwischen Christus, Satan und dem Volk Gottes auf.
Diese Beobachtungen beweisen noch nicht, dass Offb 20 die gegenwärtige Zeit beschreibt. Sie zeigen jedoch, dass die Reihenfolge der Visionen nicht ohne Weiteres mit der Reihenfolge der Ereignisse gleichgesetzt werden darf. Die Stellung von Offb 20 nach Offb 19 erlaubt eine chronologische Lesart, erzwingt sie aber nicht. Ob beide Visionen tatsächlich zeitlich aufeinander folgen, muss ihr Inhalt zeigen.
3. Der Endkonflikt im Bibelkanon
Offb 19 schildert die Wiederkunft Christi in den Bildern des großen Endkampfs. Der Himmel öffnet sich, und Christus erscheint als Reiter auf einem weißen Pferd, um zu richten und Krieg zu führen. Er trägt ein „in Blut getauchtes Gewand“. Aus seinem Mund geht „ein scharfes Schwert“ hervor, mit dem er die Nationen schlägt. Er wird sie „mit eiserner Rute“ weiden und „die Kelter des Weines des Grimmes des Zornes Gottes, des Allmächtigen“ treten. Er trägt den Namen „König der Könige und Herr der Herren“. Gegen ihn versammeln sich „das Tier und die Könige der Erde und ihre Heere“ (Offb 19,11–19).
Die Szene ist durchgehend von alttestamentlichen Texten über den letzten Aufstand der Nationen und Gottes abschließendes Gericht geprägt.
Ps 2 beschreibt den Aufstand der Herrscher gegen Gottes König. „Die Könige der Erde“ beraten sich „gegen den HERRN und gegen seinen Gesalbten“. Doch Gott setzt seinen König auf Zion ein und gibt ihm die Nationen zum Erbteil. Der Gesalbte toleriert keine Rebellion, über ihn heißt es: „Mit eisernem Zepter wirst du sie zerschmettern“ (Ps 2,1–9).
Jes 11 zeigt, dass der Messias seine Feinde durch sein Wort richtet. „Er wird die Erde schlagen mit der Rute seines Mundes, und mit dem Hauch seiner Lippen den Gottlosen töten“ (Jes 11,4). Auch 2Thess 2,8 greift dieses Bild auf und verbindet es mit der Wiederkunft. Christus beseitigt den Gesetzlosen durch den Hauch seines Mundes und vernichtet ihn durch die Erscheinung seiner Ankunft. Sein richterliches Wort beendet den Widerstand seiner Feinde.
Joel 4 verbindet die Sammlung der Nationen mit dem Tag des Herrn und ihrem Gericht. Die Völker werden zum Krieg gerufen und ziehen in das Tal Joschafat hinauf. Dort richtet Gott über sie. „Heiligt einen Krieg“, lautet der Ruf. Am Ende erscheinen Ernte und Kelter als Bilder des vollstreckten Gerichts. „Legt die Sichel an, denn die Ernte ist reif; kommt, stampft, denn die Kelter ist voll“ (Joel 4,2.9–13).
Jes 63 beschreibt den göttlichen Rächer, der die Völker in seinem Zorn niedertritt. Sein Gewand ist vom Blut der Gerichteten gefärbt, denn der Tag der Rache ist gekommen. Niemand aus den Völkern steht ihm im Kampf zur Seite, und niemand kann seinem Gericht entkommen (Jes 63,1–6).
Sach 14 führt den Angriff der Nationen, das Kommen des Herrn, das Gericht und seine Herrschaft über die ganze Erde zusammen. Lebendiges Wasser, bleibendes Licht und umfassende Heiligkeit kennzeichnen die aufgerichtete Königsherrschaft Gottes. Die Überlebenden aus den Nationen ziehen hinauf, um den König anzubeten. Wer sich seiner Herrschaft jedoch widersetzt, fällt unter sein Gericht (Sach 14,2–9.16–21).
Dan 7 beschreibt den Angriff der widergöttlichen Weltmacht auf die Heiligen und ihr endgültiges Gericht. Das Tier führt Krieg gegen Gottes Volk, bis sich das himmlische Gericht setzt. Dann wird „das Tier getötet und sein Leib zerstört und dem Brand des Feuers übergeben“ (Dan 7,9–11). Der Menschensohn empfängt eine ewige Herrschaft, die niemals vergehen wird, und die Heiligen erhalten Anteil an seinem Reich (Dan 7,13–14.21–27).
In Offb 19 laufen diese prophetischen Linien zusammen. Die Könige erheben sich gegen den Gesalbten. Der Messias richtet seine Feinde durch das Wort seines Mundes. Die Rebellen werden geweidet mit eiserner Rute. Der göttliche Krieger tritt die Kelter des Zorns. Das Tier wird dem Feuer übergeben, und Christus erscheint als König über alle Könige. Die Vision schildert nicht einen vorläufigen Sieg, sondern den letzten Aufstand der widergöttlichen Mächte und ihr abschließendes Gericht.
Diese zentralen Gerichtsmotive lediglich auf einen vorläufigen Konflikt zu beziehen, ist mit dem Zeugnis der prophetischen Texte nur schwer vereinbar. Vor diesem Hintergrund ist die prämillennialistische Annahme eines zweiten weltweiten Aufstands nach der Wiederkunft Christi mehr als erklärungsbedürftig.
4. Der gemeinsame Hesekiel-Bezug
Johannes beschreibt in Offb 19 und 20 jeweils weltweite Aufstände, die nach einer linearen Lesart tausend Jahre auseinanderliegen. In Offb 19 versammeln sich das Tier, die Könige der Erde und ihre Heere gegen Christus. In Offb 20 sammelt Satan die Nationen von den vier Enden der Erde gegen das Volk Gottes. Auffällig ist, dass beide Szenen auf dieselbe alttestamentliche Prophetie zurückgreifen: Hes 38–39.
In Offb 20,7–10 wird dieser Bezug bereits durch die Namen „Gog und Magog“ ausdrücklich hergestellt. Wie bei Hesekiel werden zahlreiche Nationen zum Krieg versammelt und ziehen gegen Gottes Volk herauf. Der Angriff endet nicht in einer gewöhnlichen Schlacht. Feuer kommt von Gott und vernichtet die versammelten Feinde (Hes 38,2.4–9.15–16.22; 39,6; Offb 20,8–9).
Offb 19 greift andere Teile derselben Prophetie bis in die Wortwahl hinein auf. Hesekiel beschreibt Gog mit „seinem ganzen Heer“, „Pferden und Reitern“, „einer großen Schar“ und „vielen Völkern“, die sich zu ihm „versammelt haben“ (Hes 38,4.6–7.15). Entsprechend sieht Johannes „das Tier und die Könige der Erde und ihre Heere versammelt, um den Krieg zu führen“ gegen Christus und sein Heer (Offb 19,19). Noch klarer sind die Parallelen im anschließenden Gericht. Bei Hesekiel ergeht der Ruf an „die Vögel jeder Art“. Sie sollen sich „versammeln“ und „kommen“ zu Gottes „großem Schlachtopfer“ (Hes 39,17). In Offb 19 ruft ein Engel „zu allen Vögeln“. Auch sie sollen „kommen“ und sich „versammeln“, nämlich „zu dem großen Mahl Gottes“ (Offb 19,17). Beide Male sollen sie Fleisch fressen. Hesekiel nennt das „Fleisch von Helden“ und das Blut der „Fürsten der Erde“, Johannes das „Fleisch von Königen“, „Obersten“ und „Starken“ (Hes 39,17–18 und Offb 19,18). Bei Hesekiel sättigen sie sich an „Pferden und Reitern“ sowie an „Helden und allerlei Kriegsleuten“, bei Johannes am Fleisch von „Pferden und von denen, die darauf sitzen“ sowie an der gesamten versammelten Streitmacht (Hes 39,20 und Offb 19,18–21). Selbst der Abschluss folgt demselben Wortlaut. In Hesekiel sollen die Vögel „bis zur Sättigung“ fressen und sich an Gottes Tisch „sättigen“. In Offb 19 werden „alle Vögel von ihrem Fleisch gesättigt“ (Hes 39,19–20 und Offb 19,21).
Auch Feuer und Schwefel begegnen in beiden Visionen. Hesekiel kündigt über Gog und seine Streitmacht ein Gericht durch Feuer und Schwefel an (Hes 38,22). In Offb 19 werden das Tier und der falsche Prophet in den mit Schwefel brennenden Feuersee geworfen. In Offb 20 fällt zunächst Feuer vom Himmel auf die versammelten Nationen; anschließend wird der Teufel in den Feuer- und Schwefelsee geworfen (Offb 19,20; 20,9–10).
Einzelne Motive wie Vogelfraß, Schlachtopfer oder Feuergericht finden sich auch in anderen alttestamentlichen Gerichtstexten (5Mo 28,26; Jes 34,6–8; Jer 46,10). Hes 38–39 verbindet jedoch einmalig die Sammlung zahlreicher Völker zum Krieg, den Angriff auf Gottes Volk, Herrscher, Mächtige, Pferde und Reiter, das göttliche Feuergericht, das Mahl der Vögel und ihre Sättigung.
Offb 19 und 20 beziehen sich damit für ihre jeweilige Endkampfszene auf denselben alttestamentlichen Bezugstext. Hes 38–39 entfaltet einen einzigen zusammenhängenden Angriff Gogs und dessen Gericht. Das beweist nicht zwingend, dass Johannes denselben Kampf zweimal beschreibt. Die gemeinsame Vorlage spricht jedoch deutlich eher für zwei Perspektiven auf denselben Endkampf als für zwei Schlachten, die tausend Jahre getrennt voneinander stattfinden, aber dieselbe alttestamentliche Prophetie aufnehmen.
5. „Der Krieg“ gegen die Nationen
Zum gemeinsamen Hesekiel-Bezug kommt ein auffälliger sprachlicher Befund. Das Substantiv polemos bedeutet „Krieg, Schlacht, Streit“ und steht in der Offenbarung mehrfach ohne Artikel. In Offb 9,7.9 erscheinen die Heuschrecken für den Krieg gerüstet. In Offb 11,7 führt das Tier Krieg gegen die zwei Zeugen. In Offb 12,7 kämpfen Michael und seine Engel gegen den Drachen, in Offb 12,17 zieht der Drache gegen die übrigen Nachkommen der Frau, und in Offb 13,7 führt das Tier Krieg gegen die Heiligen. Diese Stellen bezeichnen verschiedene militärische oder geistliche Kämpfe innerhalb der Geschichte.
Mit bestimmtem Artikel erscheint polemos dagegen nur an drei Stellen, in Offb 16,14, 19,19 und 20,8. Diese Vorkommen unterscheiden sich nicht nur grammatisch von den übrigen, sondern gehören auch inhaltlich eng zusammen. In Offb 16,14 sammeln dämonische Geister die Könige der ganzen Erde zu ton polemon, „dem Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“. Unmittelbar danach kündigt Christus sein Kommen „wie ein Dieb“ an. Die Könige sind damit zum Krieg versammelt, der Kampf selbst wird jedoch noch nicht geschildert.
Offb 19 greift diese Handlung wieder auf. Das Tier, die Könige der Erde und ihre Heere stehen nun dem wiederkommenden Christus gegenüber. Sie haben sich versammelt, um ton polemon, „den Krieg“, gegen den Reiter und sein Heer zu führen. Damit mündet die weltweite Sammlung aus Offb 16 in die eigentliche Gerichtsszene. Die Wiederkunft Christi, das Aufbegehren der Könige der Erde und der abschließende Krieg tauchen gemeinsam auf.
Noch enger ist die sprachliche Verbindung zwischen Offb 16,14 und 20,8. Beide Verse verwenden nahezu dieselbe vollständige Formulierung synagagein autous eis ton polemon, „sie zu dem Krieg zu versammeln“. In Offb 16 werden die Könige der ganzen Erde gesammelt, in Offb 20 die als „Gog und Magog“ bezeichneten Nationen von den vier Enden der Erde. In beiden Fällen führt satanische Verführung die Völker zu einem weltweiten Angriff zusammen, auf den unmittelbar Gottes Gericht folgt. Offb 20 wiederholt damit nicht nur die Bezeichnung „der Krieg“, sondern auch die aus Offb 16 bekannte Sammlungsformel und denselben grundlegenden Handlungsablauf.
Von Siebenthal beschreibt die grundlegende Funktion des griechischen Artikels folgendermaßen: „Er weist auf etwas hin […], er bestimmt (‚determiniert‘) und hebt von anderem ab; er sagt, dass es sich um dieses oder diese handelt, und nicht bloß um solches oder solche […].“[3] Der Artikel weist den jeweiligen Referenten als bestimmt und im Zusammenhang identifizierbar aus. In Offb 16 wird „der Krieg“ ausdrücklich als der Krieg des großen Tages Gottes bestimmt. Offb 19 führt die bereits versammelten Mächte in diese Gerichtsszene, während Offb 20 dieselbe bestimmte Bezeichnung innerhalb derselben Sammlungsformel erneut aufnimmt.
Daraus folgt nicht, dass jedes artikellose Vorkommen von polemos einen unbestimmten Krieg bezeichnet. Besonders nach Präpositionen kann der Artikel auch bei einem bestimmten Referenten fehlen. Ebenso wenig beweist der Artikel für sich allein, dass Offb 16, 19 und 20 denselben Krieg beschreiben. Das Argument beruht deshalb nicht bloß auf dem Vorhandensein des Artikels, sondern auf dem gesamten sprachlichen und erzählerischen Zusammenhang.
Auffällig bleibt also, dass die bestimmte Form „der Krieg“ ausschließlich in diesen drei globalen Endkampfszenen erscheint. Jedes Mal werden Könige oder Nationen aus der ganzen Erde zum Aufstand gegen Gott, seinen Christus oder sein Volk versammelt. Zusammen mit dem gemeinsamen Hesekiel-Bezug und den übrigen Endgerichtsmotiven spricht dieser Befund deutlich dafür, dass Offb 16, 19 und 20 nicht drei verschiedene Kriege, sondern denselben letzten Krieg aus verschiedenen Perspektiven schildern.
6. Die Vernichtung der Feinde Gottes
Die Schilderung der Schlacht in Offb 19,19–21 stellt eine chronologische Lesart von Offb 19 und 20 vor eine weitere Schwierigkeit. Das Tier, die Könige der Erde und ihre Heere werden zum Krieg gegen Christus und sein Heer versammelt. Das Tier und der falsche Prophet werden ergriffen und lebendig in den Feuersee geworfen. Danach heißt es: „Und die Übrigen wurden getötet mit dem Schwert dessen, der auf dem Pferd saß“ (Offb 19,21).
Der Ausdruck hoi loipoi, „die Übrigen“, bezeichnet den Rest der zuvor genannten Koalition nach der Beseitigung des Tieres und des falschen Propheten. Gemeint sind die Könige der Erde und ihre Heere. Von der gegen Christus versammelten Streitmacht bleibt damit kein Teil übrig. Johannes beschreibt ihre vollständige Vernichtung.
Das große Mahl Gottes unterstreicht diese Vollständigkeit. Die Vögel werden gerufen, damit sie das Fleisch von Königen, Obersten und Starken, von Pferden und ihren Reitern sowie von Freien und Sklaven, Kleinen und Großen fressen. Am Ende heißt es, dass „alle Vögel […] von ihrem Fleisch gesättigt“ wurden (Offb 19,17–18.21). Die Aufzählung umfasst die gesamte versammelte Streitmacht von ihren Herrschern und Heerführern bis zu ihren geringsten Angehörigen. Von den Feinden Christi bleibt niemand übrig.
Liest man Offb 20 als zeitliche Fortsetzung, muss sich nach dieser vollständigen Vernichtung dennoch eine neue weltweite Streitmacht bilden. Satan wird gebunden, „damit er nicht mehr die Nationen verführe“, sammelt sie aber nach seiner Freilassung von den vier Enden der Erde zum Krieg gegen Gottes Volk. Ihre Zahl ist „wie der Sand des Meeres“ (Offb 20,3.7–9). Der Prämillennialismus erklärt dies durch Menschen aus den Nationen, die nicht zu den Heeren aus Offb 19 gehörten, das Gericht überleben und während des Millenniums zahlreiche Nachkommen hervorbringen. Der Text schließt das nicht ausdrücklich aus, aber Gleiches könnte ja in Bezug auf Offb 20 gesagt werden, wo man von einer völligen Vernichtung ausgeht. Letztlich erwähnt der Text keinen Rest aus den Nationen, der die Schlacht überlebt. Offb 19 endet schlicht mit der Vernichtung einer teuflischen Streitmacht.
7. Die Chronologie der Ereignisse
Die Abfolge von Offb 18–20 hat eine klare innere Ordnung. Zuerst fällt Babylon, dann werden das Tier und der falsche Prophet gerichtet, zuletzt Satan selbst. Johannes behandelt nacheinander die Mächte des widergöttlichen Reiches und schließlich den, der hinter ihnen steht. Diese sachliche Ordnung markiert die Vollständigkeit des Gerichtes, nicht unbedingt eine zeitliche Abfolge.
Auch der konkrete Übergang von Offb 19,21 zu 20,1 enthält keine Zeitangabe. Johannes schreibt lediglich „Und ich sah“. Damit beginnt eine neue Vision. Die Formulierung sagt, was der Apostel als Nächstes sieht, aber nicht, dass das Gesehene zeitlich nach allem liegt, was zuvor geschildert wurde. Eine konkrete zeitliche Abfolge drückt Johannes interessanterweise am Ende des Millenniums aus. Satan wird freigelassen, „wenn die tausend Jahre vollendet sind“ (Offb 20,7).
Dass die Reihenfolge der Visionen nicht einfach der Reihenfolge der Ereignisse entspricht, zeigt sich im Abschnitt über das Millennium selbst (Offb 20,1–6). Die Verse 1–3 beschreiben Satans Bindung und führen den Blick bis zu seiner Freilassung am Ende der tausend Jahre. Die Verse 4–6 schildern die Herrschaft der Heiligen im Millennium. Der Abschnitt wird abermals mit „und ich sah“ eingeleitet. Johannes kehrt zum Anfang der tausend Jahre zurück und zeigt denselben Zeitraum aus einer anderen Perspektive. Die Bindung Satans und die Herrschaft der Märtyrer verlaufen parallel.
Ebenfalls setzt die prämillennialistische Auslegung der „ersten Auferstehung“ voraus, dass Johannes in diesem Abschnitt nicht streng chronologisch erzählt. Ihrer Überzeugung nach spricht Offb 20,4 nämlich von der leiblichen Auferstehung der Gläubigen. Paulus verbindet dieses Ereignis jedoch ausdrücklich mit der Wiederkunft Christi. Er spricht: „Der Herr selbst wird […] vom Himmel herabkommen, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen“ (1Thess 4,16). Ebenso werden „die, welche Christus gehören“, „bei seiner Ankunft“ auferweckt (1Kor 15,23). Die Auferstehung geschieht chronologisch gesehen während Offb 19,11, demnach vor der Schlacht von 19,19–21 und nach prämillennialistischer Ansicht auch vor dem Millennium in 20,1–6.
Es wird also deutlich, dass Chronologie gerade nicht der ausschlaggebende Marker in Offb 19 und 20 ist. Johannes ordnet seine Visionen nach ihren Themen und kann dabei einen bereits geschilderten Zeitraum erneut von seinem Anfang her darstellen.
8. Die Bindung Satans
Die Bilder in Offb 20,1–3 scheinen zunächst gegen eine gegenwärtige Erfüllung zu sprechen. Satan wird ergriffen, mit einer großen Kette gebunden, in den Abgrund geworfen und dort eingeschlossen. Der Zugang über ihm wird versiegelt. Gleichzeitig beschreibt das Neue Testament ihn weiterhin als Versucher und Verfolger der Gemeinde. Johannes sagt jedoch selbst, was die Bindung bewirkt. Satan wird gebunden, „damit er nicht mehr die Nationen verführe, bis die tausend Jahre vollendet sind“ (Offb 20,3).
Der weitere Verlauf der Vision zeigt, welche Verführung gemeint ist. Nach den tausend Jahren wird Satan freigelassen. Er geht hinaus, um „die Nationen zu verführen, die an den vier Ecken der Erde sind“, und versammelt sie zum Krieg gegen das Volk Gottes (Offb 20,7–9). Nach seiner Freilassung tut er also genau das, woran ihn die Bindung zuvor gehindert hat. Die Bindung beendet nicht jede satanische Lüge, Versuchung oder Verfolgung. Sie verhindert konkret, dass Satan die Nationen vor der festgesetzten Zeit zu ihrem letzten weltweiten Aufstand versammelt.
Jesus verwendet dasselbe Bild für sein Wirken. Weil er durch den Geist Gottes Dämonen austreibt, ist das Reich Gottes bereits zu den Menschen gekommen. Niemand kann in das Haus des starken Mannes eindringen und seinen Besitz rauben, wenn er nicht zuvor den Starken „bindet“ (Mt 12,28–29 und Mk 3,27). Jesus verwendet hierbei das gleiche Wort deō, „binden“, wie Offb 20. Auch hier bedeutet die Bindung nicht, dass Satan überhaupt nicht mehr handeln kann. Sie bedeutet, dass Christus seine Herrschaft durchbrochen hat und Menschen aus seiner Gewalt befreit. Die Bindung gehört zu Christi Sieg über Satan, der sich in seinem Wirken, seinem Kreuz, seiner Auferstehung und seiner Erhöhung zeigt. Jesus kündigt im Blick auf seinen Tod an, dass „der Fürst dieser Welt hinausgeworfen“ wird und er selbst „alle zu sich ziehen“ werde (Joh 12,31–32). Durch das Kreuz hat Christus „die Mächte und Gewalten entwaffnet“ und öffentlich über sie triumphiert. Durch seinen Tod macht er den zunichte, „der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel“ (Kol 2,14–15 und Hebr 2,14).
Satans Macht über die Nationen ist damit entscheidend gebrochen, obwohl sein endgültiges Gericht noch aussteht. Er kann nicht verhindern, dass das Evangelium hinausdringt in alle Welt und zu Jüngern macht. Während er also die Nationen nicht zum abschließenden Krieg versammeln kann, muss er zusehen, wie Menschen von allen Stämmen, Völkern und Sprachen aus seiner Gewalt befreit Kinder Gottes werden.
Auch der Begriff „Abgrund“ widerspricht dieser Deutung nicht zwingend. In der Offenbarung ist er der Bereich, aus dem dämonische Mächte hervorkommen. Er kann aber nur geöffnet werden, wenn Gott ihn aufschließen lässt. In Offb 9 steigen nach seiner Öffnung dämonische Heuschrecken hervor. Ihre Macht wird ihnen gegeben und genau begrenzt. Sie dürfen die Menschen fünf Monate lang quälen, aber nicht töten (Offb 9,1–5). Auch das Tier steigt aus dem Abgrund herauf (Offb 11,7 und 17,8). Der Abgrund und die Mächte, die aus ihm hervorkommen, stehen völlig unter Gottes Herrschaft. Kette, Schlüssel, Verschluss und Siegel zeigen, dass Satan seinen Handlungsspielraum nicht selbst bestimmt.
Nach den tausend Jahren „muss“ Satan für eine kurze Zeit freigelassen werden (Offb 20,3). Er sprengt weder seine Kette noch entkommt er aus eigener Kraft. Die Begrenzung endet zu dem Zeitpunkt, den Gott in seiner Souveränität bestimmt hat. Und sie dient dem von Gott bestimmten Ziel, die Feinde zur Vernichtung zu sammeln. Gott selbst führt sie mit einem Haken im Maul, wie Vieh zur Schlachtung (Hes 38,4.22). Die Freilassung des Teufels, die Sammlung der Nationen und die Vernichtung aller Feinde Gottes sind Ausdruck dessen, dass der König aller Könige zu jeder Zeit, auf jedem Quadratmeter, über jedes Lebewesen und alles, was passiert, regiert.
Die Bindung Satans beschreibt somit keine Welt ohne Versuchung, Verfolgung und geistlichen Kampf. Sie beschreibt die entscheidende Niederlage des starken Mannes durch Christi erstes Kommen. Während Christus Menschen aus allen Nationen sammelt, kann Satan die Nationen nicht zum letzten gemeinsamen Aufstand zusammenscharen. Erst am Ende wird diese Begrenzung für kurze Zeit aufgehoben.
9. Die tausend Jahre
Wenn Satans Bindung mit Christi erstem Kommen begonnen hat, stellt sich die Frage, wie die tausend Jahre zu verstehen sind. Johannes stellt in diesem Abschnitt geistliche Vorgänge in Bildern wie dem Drachen, der Kette, dem Schlüssel, dem Abgrund und dem Siegel dar. Kaum einer bestreitet hier, dass diese Begriffe nicht wörtlich zu verstehen sind. Aber was ist mit der Zahl „tausend“? Warum sollte es sich mit ihr anders verhalten? Tatsächlich sind Zahlen sehr häufig in der Bibel bildhaft zu verstehen.
Gerade in der Offenbarung haben Zahlen oft mehr als nur eine rechnerische Funktion. Die 144.000 setzen sich aus zwölf mal zwölf mal tausend zusammen und stehen für die Gesamtheit des Gottesvolkes (Offb 7,4–8). Auch die Maße des neuen Jerusalems sind nicht bloß technische Angaben. Die 12.000 Stadien und die 144 Ellen greifen dieselbe Zahlensprache auf und unterstreichen die Vollständigkeit und Sicherheit der Stadt Gottes (Offb 21,16–17). Ebenso bezeichnet die Formulierung „Zehntausende mal Zehntausende und Tausende mal Tausende“ keine exakt zählbare Menge, sondern eine unübersehbar große Schar von Engeln (Offb 5,11). Vor diesem Hintergrund liegt es nahe, auch die tausend Jahre nicht als exakte Zeitangabe zu verstehen.
Gerade die Zahl tausend bezeichnet in der Bibel häufig keine exakt bemessene Größe. Gott gehört „das Vieh auf tausend Bergen“ (Ps 50,10). Damit ist natürlich nicht gemeint, dass ihm die Kuh auf dem nächsten Berg nicht mehr gehört. Ebenso reicht seine Bundestreue über „tausend Generationen“, ohne nach der tausendsten Generation zu enden (5Mo 7,9 und Ps 105,8). Wenn einer „tausend“ jagt und zwei sogar „zehntausend“ in die Flucht schlagen, geht es ebenfalls nicht um mathematische Verhältnisse, sondern Gottes überwältigende Macht (5Mo 32,30, vgl. Jos 23,10). Tausend steht in solchen Aussagen für eine große, umfassende oder vollständig bemessene Größe. In gleicher Weise fügt sich eine symbolische Deutung der tausend Jahre in diesen ohnehin symbolischen Kontext der Millenniumspassage ein.[4]
Der unmittelbare Zusammenhang bestätigt diese Lesart. Denn den tausend Jahren steht eine unbestimmte Einheit gegenüber, es geht um eine „kleine Zeit“, in der Satan freigelassen wird (Offb 20,3). Johannes stellt also die vollständig bemessene Dauer von Satans Bindung und der Herrschaft Christi mit seinen Heiligen der kurzen Schlussphase satanischen Aufbegehrens gegenüber. Im Mittelpunkt steht kein berechenbares Enddatum. Entscheidend ist, dass Satan sowohl in seiner langen Bindung als auch in seiner kurzen Befreiung in den Grenzen handeln kann, die Gott ihm gesetzt hat.
Eine symbolische Deutung der tausend Jahre entspricht also gängiger biblischer Sprache und fügt sich ebenfalls auch sehr passend in den unmittelbaren Kontext ein. Die tausend Jahre bezeichnen somit das gegenwärtige Zeitalter von Christi erstem Kommen bis zu Satans kurzer Freilassung unmittelbar vor dem Ende.
10. Die himmlische Herrschaft
Offb 20,4 nennt keinen irdischen Schauplatz. Johannes sieht Throne und diejenigen, die darauf sitzen und denen Gericht gegeben wurde. Außerdem sieht er die Seelen derer, die wegen des Zeugnisses Jesu und des Wortes Gottes getötet worden waren. Diese Verbindung von Thronen, Gericht und den Seelen verstorbener Gläubiger weist auf eine himmlische Gerichtsszene.
Die Offenbarung kennt zwar auch widergöttliche Throne. Im bisherigen Verlauf des Buches stehen die mit Gott, Christus und seinen Überwindern verbundenen Throne jedoch im himmlischen Thronsaal. Johannes sieht Gottes Thron im Himmel und rings um ihn die Throne der vierundzwanzig Ältesten (Offb 4,2–4). Auch in Offb 11,16 und 19,4 sitzen die Ältesten vor Gott auf ihren Thronen. Es liegt deshalb nahe, auch die Throne in Offb 20 dort zu verorten.
Dazu passt die Verheißung Christi an die Gemeinde in Laodizea. „Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater gesetzt habe auf seinen Thron“ (Offb 3,21). Christus hat überwunden und sitzt seit seiner Erhöhung auf dem Thron seines Vaters. Wenn die Heiligen in Offb 20 mit ihm herrschen, erfüllt sich an ihnen diese Verheißung.
Auch die Verbindung zu Offb 6,9–11 spricht für einen himmlischen Schauplatz. Dort sieht Johannes unter dem himmlischen Altar „die Seelen derer, die geschlachtet worden waren um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses willen“. Sie warten darauf, dass Gott richtet und ihr Blut rächt. In Offb 20 begegnen dieselben Kennzeichen erneut. Johannes sieht die Seelen derer, die wegen des Zeugnisses Jesu und des Wortes Gottes getötet worden waren. Die Märtyrer, die in Offb 6 noch auf Gottes Urteil warten, erscheinen hier als Sieger, die mit Christus herrschen.
Ob die zuerst genannten Thronenden mit diesen Märtyrern identisch sind oder ob Johannes zunächst einen größeren Kreis von Heiligen nennt und anschließend die Märtyrer besonders hervorhebt, lässt der Satzbau offen. Für den Schauplatz der Vision ist diese Frage nicht entscheidend. In beiden Fällen umfasst die Szene verstorbene Gläubige und verbindet sie mit den himmlischen Thronen und der Herrschaft Christi.
Den Hintergrund der Szene bildet vermutlich Dan 7. Dort führt das Tier Krieg gegen die Heiligen und überwältigt sie zunächst. Dann zeigt die Vision das himmlische Gericht. Gott spricht den Heiligen Recht zu, und sie empfangen das Reich (Dan 7,9–10.21–22.27). Offb 20 greift diese Umkehrung auf. Auf der Erde erscheinen die Märtyrer als Besiegte, weil das Tier sie töten konnte. Aus himmlischer Sicht zeigt sich jedoch, dass ihr Tod nicht ihre Niederlage war. Das ihnen gegebene Gericht kann sowohl Gottes Urteil zu ihren Gunsten als auch ihre Beteiligung an Christi richterlicher Herrschaft umfassen. Beides gehört eng zusammen. Gott setzt sie ins Recht und gibt ihnen Anteil an der Herrschaft Christi, ohne dass die Vision näher erklärt, wie sie diese Herrschaft ausüben.
Diese gegenwärtige Herrschaft ist noch nicht mit der vollendeten Herrschaft auf der neuen Erde gleichzusetzen. Sie ist dennoch wirklich, denn die Heiligen haben Anteil an der Herrschaft des erhöhten Christus. Wie weit sich ihre Herrschaft erstreckt und wie sie ausgeübt wird, erklärt die Vision nicht näher.
11. Die erste Auferstehung
Die „erste Auferstehung“ in Offb 20,4–6 blieb für mich bis zuletzt das stärkste Argument gegen den Amillennialismus. Der Ausdruck anastasis bezeichnet im Neuen Testament gewöhnlich die Auferstehung der Toten. Noch schwerer wiegt, dass Johannes in den Versen 4 und 5 dieselbe griechische Verbform ezēsan verwendet, die mit „sie lebten“ oder „sie wurden lebendig“ übersetzt werden kann. Von den getöteten Gläubigen heißt es, „sie lebten und herrschten mit dem Christus“. Danach heißt es, die „Übrigen der Toten wurden nicht lebendig, bis die tausend Jahre vollendet waren“. Wenn der zweite Gebrauch eine leibliche Auferstehung bezeichnet, liegt es nahe, auch den ersten so zu verstehen. Die „erste Auferstehung“ klingt damit zunächst wie die erste von zwei gleichartigen Auferstehungen.
Der unmittelbare Zusammenhang weist jedoch in eine andere Richtung. Johannes sieht ausdrücklich „die Seelen derer“, die wegen des Zeugnisses Jesu und des Wortes Gottes enthauptet worden waren. Das Wort „Seelen“ beweist für sich allein noch keinen körperlosen Zustand. Diese Beschreibung greift aber erkennbar Offb 6,9 auf. Dort sieht Johannes unter dem Altar „die Seelen derer, die geschlachtet worden waren um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses willen“. Die in Offb 20 beschriebenen Gläubigen sind daher Verstorbene. Johannes sieht vielmehr die Seelen der Getöteten, die bei Christus leben und herrschen.
Auch das Johannesevangelium unterscheidet verschiedene Weisen, in denen Menschen aus dem Tod zum Leben kommen. Wer das Wort Jesu hört und glaubt, ist bereits „aus dem Tod in das Leben übergegangen“ (Joh 5,24). Jesus spricht von einer Stunde, die „jetzt“ ist, in der die Toten seine Stimme hören und leben werden (V. 25). Wenige Verse später kündigt er eine noch kommende Stunde an, in der „alle, die in den Gräbern sind“, hervorkommen werden. Die einen gelangen „zur Auferstehung des Lebens“, die anderen „zur Auferstehung des Gerichts“ (Vv. 28–29). Leben aus dem Tod und die zukünftige leibliche Auferstehung gehören damit zusammen, sind aber nicht einfach derselbe Vorgang. Offb 20 bezeichnet deshalb nicht bloß die Bekehrung. Die dort gesehenen Menschen waren bereits Gläubige und wurden wegen ihrer Treue zu Christus getötet.
Ihre Gemeinschaft mit dem Leben Christi endet jedoch nicht mit ihrem körperlichen Tod. Martha weiß, dass ihr Bruder „in der Auferstehung am letzten Tag“ auferstehen wird. Jesus antwortet ihr mit den Worten „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ und verheißt, dass „wer an mich glaubt, leben wird, auch wenn er stirbt“ (Joh 11,24–25). Paulus bezeichnet das Sterben als Gewinn, weil er danach „abzuscheiden und bei Christus zu sein“ wünscht (Phil 1,21–23). Ebenso möchte er lieber „ausheimisch von dem Leib und einheimisch bei dem Herrn“ sein (2Kor 5,8). Dazu passt die Verbindung von Tod, Leben und Herrschaft in 2Tim 2,11–12. „Wenn wir mitgestorben sind, so werden wir auch mitleben.“ Ebenso gilt, „wenn wir ausharren, so werden wir auch mitherrschen“.
Auch die Offenbarung folgt diesem Muster. Christus stellt sich der Gemeinde in Smyrna als der vor, „der starb und wieder lebendig wurde“. Die Gläubigen sollen „getreu bis zum Tod“ bleiben und werden „nicht beschädigt werden von dem zweiten Tod“ (Offb 2,8.10–11). In Offb 20 werden die treuen Zeugen getötet, leben mit Christus und herrschen mit ihm. Sie folgen damit dem Weg ihres Herrn durch den Tod hindurch zum Leben.
Die zweimalige Verwendung von ezēsan muss dennoch ernst genommen werden. In beiden Versen geht es um wirkliches Leben. Der Zusammenhang bestimmt aber, in welcher Weise die jeweiligen Personen leben. Vers 4 zeigt die Seelen getöteter Gläubiger, die mit Christus leben und herrschen. Vers 5 sagt, dass die übrigen Toten während der tausend Jahre nicht lebten. Das Wort „bis“ markiert das Ende dieses Zeitraums. Es bestimmt aber nicht, dass die übrigen Toten danach in derselben Weise leben wie die Heiligen in Vers 4. In den Versen 12–13 geben das Meer, der Tod und der Hades ihre Toten heraus, die vor dem großen weißen Thron erscheinen. Die erste Szene zeigt das himmlische Leben verstorbener Gläubiger. Die spätere Szene zeigt die leibliche Auferstehung und das endgültige Gericht.
Die Aussage „Dies ist die erste Auferstehung“ bezeichnet daher nicht den Tod der Gläubigen selbst. Sie deutet das unmittelbar zuvor geschilderte Leben und Herrschen mit Christus. Die Gläubigen haben bereits in diesem Leben Anteil am Auferstehungsleben ihres Herrn. Sie sind aus dem Tod in das Leben übergegangen und mit Christus lebendig gemacht worden (Joh 5,24; Eph 2,5–6). Ihr körperlicher Tod beendet dieses Leben nicht. Offb 20 richtet den Blick auf ihren Zustand nach dem Tod. Sie leben bei Christus und herrschen mit ihm, während die Auferstehung ihres Leibes noch aussteht.
Johannes stellt der ersten Auferstehung ausdrücklich den zweiten Tod gegenüber. Der erste und der zweite Tod sind keine zwei körperlichen Todesfälle derselben Art. Der erste Tod beendet das gegenwärtige körperliche Leben. Der zweite Tod ist der Feuersee und bezeichnet das endgültige Gericht (Offb 20,14). Deshalb zwingen auch die Ordnungszahlen bei der Auferstehung nicht zu zwei gleichartigen körperlichen Vorgängen. Wer an der ersten Auferstehung teilhat, lebt bei Christus und steht nicht mehr unter der Macht des zweiten Todes. Die leibliche Auferstehung aller Menschen folgt am Ende und führt nicht für alle zum selben Ausgang.
Die erste Auferstehung ist somit weder nur ein anderes Wort für die Bekehrung noch bereits die Auferstehung des Körpers. Sie bezeichnet die wirkliche, aber noch nicht vollendete Anteilhabe verstorbener Gläubiger am Auferstehungsleben Christi. Der prämillennialistische Einwand bleibt gewichtig. Im Zusammenhang von Offb 20 und den übrigen neutestamentlichen Aussagen liegt es jedoch näher, die erste Auferstehung als das himmlische Leben und Herrschen der verstorbenen Heiligen bei Christus zu verstehen. Auf der Erde wurden sie getötet. Bei Christus leben und herrschen sie.
Hier lese ich, ich kann nicht anders
Viele Jahre lang war ich davon überzeugt, dass eine „wörtlichen“ Leseweise der Bibel, die konsequent der historisch-grammatikalischen Exegese folgt, von ganz alleine beim Prämillennialismus landet. Doch gerade diese Art der Schriftauslegung hat mich zu einem anderen Ergebnis geführt. Grammatikalische Details, literarische Bezüge zu anderen biblischen Texten und chronologische Schwierigkeiten haben mich davon überzeugt, dass die Bibel nicht von einem zukünftigen irdischen, sondern von einem gegenwärtigen himmlischen Millennium spricht.
Mir ist bewusst, dass dieses Thema für manche emotional aufgeladen ist und es nicht jedem gefallen wird, dass ich meine bisherige Überzeugung geändert habe. Dieser Wandel ist jedoch weder leichtfertig noch aus einer geringeren Wertschätzung der Schrift entstanden. Im Gegenteil. Ich habe meine Position geändert, weil ich mich dem biblischen Text verpflichtet weiß und den Argumenten folgen muss, die ich dort erkenne. In diesem Sinne gilt für mich: Hier lese ich, ich kann nicht anders.
Vom Postmillennialismus und vom dispensationalistischen Prämillennialismus bin ich weiterhin nicht überzeugt. Den historischen Prämillennialismus kann ich dagegen nach wie vor gut nachvollziehen. Es ist nicht grundlos, dass sowohl die amillennialistische als auch die historisch-prämillennialistische Deutung bereits in der Alten Kirche existierte und sich durch die Kirchengeschichte hindurch in unterschiedlichen Formen halten konnte. Beide Ansätze können sich auf ernst zu nehmende exegetische Argumente berufen, auch wenn ich die amillennialistische Deutung inzwischen für überzeugender halte.
Die Frage nach dem Millennium ist wichtig. Sie entscheidet aber weder über die gemeinsame Zugehörigkeit zu Christus noch über die gemeinsame Hoffnung auf seine Wiederkunft. Wenn wir verherrlicht dem Herrn entgegengehen, wird niemand enttäuscht sein, weil Christus die Geschichte anders vollendet, als es unserer Leseweise von Offb 20 entspricht. Der Amillennialist wird sich freuen, falls er tatsächlich tausend Jahre mit Christus auf Erden regiert. Der historische Prämillennialist wird nicht trauernd, wenn auf die Wiederkunft unmittelbar der neue Himmel und die neue Erde folgen.
Wir sollten in dieser Frage demütig bleiben. Wir lesen, ringen und folgen unserer Erkenntnis. Was uns am Ende des Tages jedoch vereint, ist das gemeinsame Gebet: Maranatha. Herr, komm.
[1] Die Bezeichnung „historischer Prämillennialismus“ knüpft an die chiliastischen Vorstellungen verschiedener frühkirchlicher Autoren an. Chiliasmus leitet sich vom griechischen chilioi, „tausend“, ab und bezeichnet die Erwartung eines zukünftigen tausendjährigen Reiches Christi auf Erden. Der Zusatz „historisch“ verweist auf diese ältere Grundform und grenzt sie von späteren dispensationalistischen Ausprägungen ab.
[2] Diese Form der Bundestheologie liest die Heilsgeschichte von der Gegenüberstellung Adams und Christi sowie der ersten und der neuen Schöpfung her. Israel bildet dabei das geschichtliche und typologische Bindeglied. Seine Bundesgeschichte wiederholt Adams Scheitern, während Kultus und Opfer auf Christus vorausweisen. Darüber hinaus legt der Alte Bund die Grundlage für den neuen Bund, weil er die Geburt des letzten Adams verheißt.
[3] Heinrich von Siebenthal, Griechische Grammatik zum Neuen Testament (Gießen; Basel: Brunnen Verlag; Immanuel-Verlag, 2011), 185.
[4] Auch George Eldon Ladd, einer der bekanntesten Vertreter des historischen Prämillennialismus, hielt es angesichts der symbolischen Zahlensprache der Offenbarung für schwierig, die tausend Jahre streng wörtlich zu verstehen. Er deutete tausend als die dritte Potenz von zehn und damit als ideale Zeit. Siehe George Eldon Ladd, A Commentary on the Revelation of John (Grand Rapids, MI: William B. Eerdmans Publishing Company, 1972), 262.




